Nun sitze ich auf einem schicken Holzstuhl in der Confiserie Bachmann, habe noch kurz gedacht, ob ich mir nicht einen eleganten Sessel im Trois Rois gegenüber gönnen soll, aber das beste Schoggiweggli und die beste Faschtewaie der Welt gibt’s nur hier und hat mich sofort die Polsterung vergessen lassen. Zudem sitzt es sich hier gesünder als so eingefallen im Sessel.
Apropos gesund, musste ich mir doch davor vom Ersatzhausarzt bei einem Check anhören: „Körperliche Belastung bei der Blockflöte?!? Hahahaha“. Was er sonst noch so alles rausgelassen und überhört hat, lassen wir jetzt mal beiseite, einzig, dass ich nach der Begutachtung des von ihm ausgefüllten Zettels nochmals zurück ging und wettern musste. Scheinbar war er zur Überheblichkeit und Ignoranz noch auf beiden Ohren taub. Aber das Überhörte wurde murrend nachgetragen. Ich liess dann noch „man fühlt sich nicht ernst genommen“ fallen. Pah!
Gehöre ich doch jetzt mit Ü52 und BS53 (Bald Schon) zu den Pilleli-Schuckerinnen, morgens und abends. Aber für dieses Wocheneinteilungs-Trückli brauche ich noch psychologische Einstimmung von ein paar Jahren. Vielleicht zur Pension. In goldener Aufschrift. Wenn ich mir das bis dann noch leisten kann. Aber jetzt wieder zurück zum Inhalt des zukünftigen Trücklis. Denn sogar eine Spritze muss ich mir alle zwei Tage injizieren. In die zum Glück jetzt weniger gewordenen Pirellis. Es reicht aber noch längst zum die Nadel setzen.
Das Handy ist instruiert und hilft zur Gedächtnisstütze. Wobei es bei mir schon eine Peitschenmaschine bräuchte. Oder vielleicht ein Shutdown meines Mobiltelefons gekoppelt mit der nicht Einhaltung meines Medikamenten-Parcours. Hei, bin ich vergesslich!
Was meine Herzpillen anbetrifft, habe ich im Winter versucht, sie zu ignorieren. Denn bei der einen Pille schlief ich die ganzen freien Nachmittage, bei der nächsten war ich in Weltuntergangsstimmung, bei dem dritten Medikament meinten meine Kollegen, ich beklage mich dann aber schon sehr viel über Kopfschmerzen in letzter Zeit, die homöopathischen Kügeli liessen das Blutdruckgerät kalt, dann gab‘s noch eine neue Lösung, welche mir mein Herz auf Alarmstufe rot schlagen liess. Dann liess ich das Herz Herz sein, setzte alle Pillelis und Kügelis auf Eis und mein Blutdruckgerät liess ich verstauben. Bis ich es dann im neuen Jahr doch wieder mal hervor holte, die Manschette um den Arm band und pump, pump, blink, blink: Rote Zahlen! Die hat man weder gerne auf diesem Gerät noch in der Buchhaltung. Da nahm ich das Handy in die Hand, teilte der Sekretärin meiner anthroposophischen Herzspezialistin die roten Zahlen mit und postwendend kam ein persönlicher Rückruf meiner Herzärztin. Da war kein Kirschenessen in Sicht sondern einen Appell an meine verlorene Vernunft. Sie meinte „jetzt muss ich aber mit ihnen schimpfen“, drohte mit Notfall und verschrieb mir sofort Variante Nummer… sechs ? Die war‘s dann auch. Und ach, das Blutdruckgerät ist seit dem im grünen Bereich, meine Herzärztin zufrieden und ich in guter Stimmung, ausser ich gehe zum Ersatz-Hausarzt.
Da wäre ich doch heute besser direkt in die Confiserie Bachmann gesessen und hätte mir zwei Schoggiweggli und zwei Faschtewaie gegönnt. Eins fürs Gemüt und das zweite fürs Herz.